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Bloggerin in Ausbildung

Im April habe ich eine einjährige Ausbildung in der Landwirtschaft begonnen. Selbstverständlich bin ich die Älteste in der Klasse und lerne nebenher mit dem Jugendslang auch eine weitere "Sprache"

(dä Lehrer figgt mi Chopf!?...). Zum offiziellen Lernprogramm gehört Praxis in Form von Arbeitstunden, die auf einem direktzahlungsberechtigten Bezugsbetrieb absolviert werden müssen. In meinem Fall ist das der Abländschner Generationenbetrieb von Armin und Marc Poschung. Ich bin aber auch auf anderen Jauner Betrieben unterwegs. Momentan steht die Weidepflege im Vordergrund, was  Einblick in viele Hintergründe ermöglicht.


Heute war ich mit Lehrmeister Armin im Sandelei mit Rückespritze bewaffnet unterwegs. Mission: "Germeli spritze". Der gemeine Germer ist verbreitungsfreudig, leicht giftig und wird auf den Alpweiden nicht gerne gesehen. Er bringt keinen Nutzen und muss behandelt werden, damit er keine Überhand gewinnt und die Weide so verloren ginge. (Fachdeutsch: die Kipp Richtlinien bestimmen, wie der ÖLN erfüllt wird, der die Grundlage der Landwirtschaft bildet. Zugegeben, das ist etwas weit ausgeholt und auf das Minimalste abgekürzt.)

Mit Armin ist das Spritzen eine kurzweilige Arbeit. Ich bin sonst oft alleine unterwegs, aber Armin bringt mir nebenbei noch bei, wie die Weide bewirtschaftet wird, wann der halsbrecherische Zugang erstellt wurde, wo die Quelle gefasst wurden, wie ergiebig sie sind und welche anderen Pflanzen auch noch auf der Weide wachsen.

Ende Nachmittag hören wir eine fröhlich gepfiffene Medolie vom vorbeiführenden Wanderweg her. Kurz darauf erscheint und junges Paar mit einem Kleinkind und die Eltern erklären dem Nachwuchs, das hier gespritzt wird. Sie wissen aber nicht was. Armin ergreift die Gelegenheit und erklärt, wir spritzen "Germeli". Der Vater fragt wohlmeinend: "damit si bliibe?" "...nei, dass si go" entgegnet Armin. Man sieht es förmlich rattern in den jungen Köpfen, dass Interesse ist schlagartig verschwunden und die Mutter wünscht uns ohne Kommentar einen schönen Nachmittag. Den Gruss erwiedern wir gerne.

Auch in meinem Kopf rattert es und ich meine zu Armin, da hätten wir ja schön viel zu tun, wenn wir alles spritzen müssten, was bleiben soll! Wir sind uns schnell einig, dass noch viel Aufklärungsarbeit gemacht werden muss. Genau diese Leute die ja auch in der Natur unterwegs sind, sind die Kunden der Landwirtschaft, wissen aber nicht wie sie funktioniert. Immerhin geniessen beide Seiten das herrliche Wetter und die prächtige Aussicht.

 

Dass die Grundeinstellung eines jungen, fröhlich pfeiffenden Familienvaters voraussetzt, dass die Natur nur mit spritzen (impfen?!) gesund bleibt, stimmt mich schon nachdenklich. Nicht nur meine Ausbildung ist noch nicht abgeschlossen.

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Kommentare: 2
  • #1

    Willy Schönenberger (Samstag, 30 Mai 2026 08:49)

    Chapeau, was die Marlies alles Macht . . .

  • #2

    Marlies (Samstag, 30 Mai 2026 22:10)

    Vielen Dank für den Hut! Marlies mit Hut ist übrigens die Erste Erinnerung von Christiane im Bödeli von mir hat, "die mit dem Hut".

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