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Das sagt die Schulinspektorin zur Situation in Jaun

Online Artikel der FN vom 18.12.2025

 

Fast 400 Leute adressierten einen offenen Brief an die Bildungsdirektion, in dem sie die Situation an der Primarschule Jaun kritisieren. Nun bezieht Schulinspektorin Anne Emch Stellung.

Publiziert: Heute, 13:30 Uhr
Aktualisiert  vor 2 Stunden

 


Eine Bürgergruppe hat diese Woche einen offenen Brief an die Direktion für Bildung und kulturelle Angelegenheiten (BKAD) geschickt. Darin kritisiert sie die Situation rund um die Primarschule Jaun (wir berichteten). 392 Personen haben diesen Brief unterschrieben, in dem der Umgang der Direktion rund um den suspendierten Lehrer scharf kritisiert wird. Dieser Redaktion liegen eine schriftliche Stellungnahme der Direktion auf diesen Brief und weitere Fragen vor. Nun nimmt Anne Emch, Schulinspektorin für Deutschfreiburg und zuständig für die Primarschule Jaun, Stellung.

 

Was ist im Moment los an der Primarschule in Jaun?

Anne Emch: Im Moment ist die Situation so, dass ein Verfahren wegen Mobbing gegen eine Lehrperson hängig ist. Durch dieses Verfahren mussten mehrere Stellen besetzt werden, da nicht alle Lehrpersonen das Schuljahr begonnen haben. Wir konnten alle freien Stellen besetzen.

Anne Emch, Schulinspektorin für Deutschfreiburg. Quelle: Corinne Aeberhard (Archivbild)
Anne Emch, Schulinspektorin für Deutschfreiburg. Quelle: Corinne Aeberhard (Archivbild)

Im offenen Brief wird kritisiert, dass an der Schule Personen ohne Ausbildung unterrichten. Stimmt das?

Genau wie an anderen Schulen in Deutschfreiburg gibt es auch in Jaun nicht diplomierte Lehrpersonen. Im ganzen deutschsprachigen Kanton hat es 18 Lehrpersonen in der Primarschule, die unterrichten, ohne ein Lehrdiplom zu haben.

 

Teilen Sie die Ansicht der Unterzeichnenden des offenen Briefes, dass die Stellvertretungen überfordert sind und ihren Auftrag nicht wahrnehmen können?

Nein, überhaupt nicht. Die Stellvertretungen werden eng gecoacht. Sie sind durch Lehrpersonen begleitet, die mit ihnen den Unterricht vorbereiten. Diese Aussage stimmt nicht.

 

Laut BKAD soll die Öffentlichkeit nicht von den Schwierigkeiten und Widerständen der Schule Jaun erfahren. So steht das sinngemäss in der schriftlichen Stellungnahme an unsere Redaktion. Wieso nicht?

Hier möchte ich gerne wissen, von welchen Schwierigkeiten die Rede ist. Denn wir haben die Eltern über das Vorgehen informiert. Wir haben immer mitgeteilt, wenn es einen Lehrpersonenwechsel gab. Daher weiss ich nicht, von welchen Schwierigkeiten die Rede ist. Zudem wurden verschiedene Elternabende organisiert. Frau Sylvie Bonvin-Sansonnens hat sich die Sorgen und Anliegen der Eltern vor Ort angehört.

 

Ich zitiere aus der Stellungnahme der BKAD: «Durch ihre öffentliche Stellungnahme in den Medien», also den offenen Brief, «machen die Verfasser deutlich, mit welchen Schwierigkeiten und Widerständen diese Schule konfrontiert ist.»

Im offenen Brief der Bürgergruppe selbst steht, dass es Schwierigkeiten gibt. Die Gruppe zeichnet ein schlechtes Bild von der Primarschule Jaun, was sehr schade ist. Denn der Unterricht läuft gut. Der Unterricht ist gewährleistet. Die Kinder hatten nie einen Tag ohne Lehrperson. Eigentlich sollte in der Zeitung ein gutes Bild der Primarschule Jaun abgebildet werden. Die bisherigen Artikel sind ziemlich negativ, was schade ist für die Primarschule. Hier wird ein schlechtes Bild der Schule und des gesamten Dorfes gezeichnet, was so nicht stimmt.

 

Nochmals: In der Stellungnahme der BKAD steht: «Durch den offenen Brief machen die Unterzeichnenden deutlich, mit welchen Schwierigkeiten und Widerständen die Schule konfrontiert ist.» Es ist nicht im Konjunktiv geschrieben. Und weiter: «Damit gefährden sie letztlich selbst die Zukunft der Schule in Jaun.» Das ist ein happiger Vorwurf.

Im Februar werden die Stellen ausgeschrieben. Es gibt offene Stellen in Jaun. Wenn wieder ein Zeitungsartikel kommt, der negatives Licht auf die Schule wirft, wird es relativ schwierig sein, Lehrpersonen zu finden, die nach Jaun kommen. Es war schon bisher schwierig, weil der Weg nach Jaun weit ist, aber mit negativen Artikeln erschwert es zusätzlich die Stellenbesetzung.

 

Es ist unsere Aufgabe, Bericht zu erstatten. Aber das ist nicht einfach, wenn vonseiten des Amtes keine oder nur ausweichende Antworten kommen. Ist das die richtige Strategie, die hier gewählt wird?

Es sind nicht ausweichende Antworten. Ich weiss nicht, was Sie genau meinen. Wir teilen klar mit, dass es in der Primarschule Jaun funktioniert. Unser Ziel ist, dass alle Schülerinnen und Schüler einen geregelten Unterricht erhalten. Das ist der Fall. Unser Ziel ist es weiter, dass die Kommunikation transparent ist, und die Beteiligten – also primär die Eltern und Gemeindebehörden – informiert sind, wie es weitergeht oder was der Stand der Dinge ist. Das ist auch der Fall. Wir hatten verschiedene Elternabende und haben immer informiert, wenn es Lehrpersonenwechsel gab.

 

Der betroffene Lehrer wurde Ende Juni nach einer ersten Suspendierung wieder eingestellt. Die BKAD hat «vollstes Vertrauen» zugesichert. Einen Monat später wurde er wieder suspendiert. Was ist die Absicht hinter diesem Vorgehen?

Im August wurde ein Mobbingverfahren eröffnet. Aus diesem Grund wurde diese Lehrperson suspendiert. Die Eröffnung des Mobbingverfahrens wurde seitens der betroffenen Lehrperson begrüsst.

 

Wie kann es sein, dass zwischen Schulende und Schulanfang, also nicht einmal in der Schulzeit selbst, die Meinung der BKAD um 180 Grad ändert? Von «vollstes Vertrauen» zu einem Mobbingverfahren?

Da bin ich nicht involviert, dafür ist das Personalamt verantwortlich. Ich weiss einfach, dass Ende August die Mitteilung kam, dass ein Verfahren gegen Mobbing eröffnet wurde.

 

Ist es aus Ihrer Sicht nachvollziehbar, dass sich gewisse Leute durch solche Verfahren auch etwas angestachelt fühlen? Es sind immerhin fast 400 Personen, die den offenen Brief unterzeichnet haben.

Es ist wichtig zu wissen, dass nur 140 von diesen 400 Leuten aus Jaun sind. Alle anderen sind externe Personen, die nichts mit der Schule zu tun haben. Unter diesen 140 Jaunerinnen und Jaunern sind nur wenige Eltern von betroffenen Kindern. Aktuell besuchen 37 Schülerinnen und Schüler die Primarschule Jaun.

 

Sie haben die Suche nach neuen Lehrpersonen angesprochen beziehungsweise die offenen Stellen. Ist es wahr, dass gewisse Stellvertretungen Kilometerentschädigungen erhalten haben und dass Hotelübernachtungen bezahlt wurden?

Nein, Hotelübernachtungen gab es nicht. Wir haben geschaut, dass es Stellvertretungen gibt, die nach Jaun kommen. Unser erstes Ziel ist es, Personen zu finden, die die Kinder in Jaun unterrichten.

 

Ist es auch Teil von Gesprächen oder die Idee, dass man die Schule aufgrund dieser Probleme oder auch aus anderen Gründen schliessen wird?

Nein, die Schule wird nicht geschlossen. Das wurde nie gesagt. Sie hat eine Spezialbewilligung als eigenständige Schule mit einer Schuldirektion erhalten, die unbefristet ist. Die Primarschule Jaun besteht, solange man Lehrpersonen findet. Gemeinsam mit den Gemeindebehörden setzen wir alles daran, dass Lehrpersonen gefunden werden, damit die Schule weiterbestehen kann.

 

Was raten Sie den besorgten Eltern?

Wichtig ist, dass sich die Eltern bei den Lehrpersonen und der Schuldirektion melden, wenn sie Schwierigkeiten haben, damit sie das Problem angehen können. Wichtig ist, dass sich die Eltern auf die Schule und den Unterricht konzentrieren und gemeinsam mit der Schule die Kinder unterstützen und fördern. Es geht in erster Linie um die Kinder und um ihre Schulausbildung. Und sie erhalten einen guten Unterricht.

 

Wie geht es nun weiter?

Wir hoffen, dass wir Anfang nächstes Jahr, also im Januar, endlich einen Entscheid zu diesem Verfahren erhalten. Dann werden wir weiterschauen müssen, je nachdem, wie dieser Entscheid ausfällt.

 

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