Seisler Mäss

Die Kontakte von Jaun in den Sensebezirk sind vielseitig. Sucht ein Jauner Arbeit auswärts, bleibt er gerne im Sensebezirk hängen und baut dort sein Leben auf. Umgekehrt haben auch etliche Senslerinnen den Weg nach Jaun gefunden und sind geblieben.

Die ältesten Kontakte sind wohl die "Guschtipuure", welche ihr Vieh zum Teil schon seit Generationen in den Jauner Bergen übersömmern lassen.

Ganz neu hingegen ist die Sensler Gewerbeausstellung "Seisler Mäss" die am letzten Wochenende in Tafers stattgefunden hat. Gruyère Tourisme war als Ehrengast eingeladen und Jaun war auf deren Einladung mit dem eigenen Wörterbuch anwesend.

Schon im Vorfeld war in den Freiburger Nachrichten zu lesen, dass der Préfet Patrice Borcard extra einen Stand bauen liess um den Greyerzbezirk von einer zukunftsorientierten Seite zu präsentieren. Fünf Posten soll er haben und einer davon den Jaunern gewidmet sein. Der Oberamtmann ist sich wohl bewusst welche wichtige Rolle die Sprache heutzutage spielt, nicht nur innerhalb des Kantons. Dass Leo Buchs das Jauner Wôrterbuch vorstellen konnte, widerspiegelt ebenfalls diese Gewichtung. Neugierig geworden entschied ich mich, die Jauner und vorallem Leo am Freitagnachmittag zu besuchen, schliesslich war die Tageszeitung voll von Lob.

Da ich selber keine näheren Beziehungen zum Sensebezirk habe, dachte ich, dass ich sozusagen "Inkognito" schnell durch die Messe zum Greyerzer Stand komme um wieder nach Hause zu fahren, da ich ein geladenes Tagesprogramm hatte. Doch weit gefehlt, schon im grosszügigen Eingangsbereich bin ich auf die ersten Jauner gestossen und für ein Gespräch hängengeblieben.



Auf dem 1,3 km langen Parcours durch die eigensgebauten, gut 600 Sensler Stände sah ich noch einige Jauner, meist schon in Gespräche verwickelt, was mein Vorankommen erleichterte. Am Greyerzer Stand wäre ich jedoch beinahe vorbeigegangen, wäre da nicht Leo mit der Greyerzer Tracht gestanden. Er machte Passanten auf seinen Wettbewerb über Jauner Wörter aufmerksam, über die Sprache kommt man bekanntlich schnell ins Gespräch miteinander. Da sich die Jauner, wie übrigens auch die Sensler, eher über Traditionen definieren, waren sie in dem futuristischen Stand eher verloren. Nur eine grosse Grafik aber kein Bild der Gastlosen, kein Blumenschmuck, nur die schrägen Wände der fünf Posten erinnerten allenfalls an die Berge.

Ein Jauner ist kein Jauner wenn er nicht das Beste aus der Situation macht und fleissig auf die Leute zugeht und seinen Dialekt zum Besten gibt. Drei Wörterbücher hingen an Stahlseilen von der Decke um darin zu blättern, sie waren mobil und angebunden gleichzeitig. Was sich der Standbauer wohl für Gedanken gemacht hat, um das Thema Jauner Wörterbuch darzustellen?...

Um die 70'000 Besucher sind während den 5 Tagen an die Messe gepilgert, das Lob der Presse war mehr als angebracht und die Stimmung eindeutig freudig überrascht über das gute Gelingen. Die Chance dass auch von den Jaunern etwas hängen blieb, ist also intakt.



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