Die "Glöckner" von Giffers

Der Kanton Freiburg geriet diese Woche dank einem geplanten Asylzentrum im Sensebezirk in nationale Schlagzeilen. So gehen ich mal der Euschelsbise entgegen um zu sehen wo sie genau herweht.

Der Sensebezirk beginnt für uns inoffiziell "enet" dem Euschelspass, die ungehobelte Bergstrasse ist jedoch nicht öffentlich. Auf dem offiziellen Weg ist Santifaschtus (St.Silvester) das meist nur auf der Strasse umkurvt wird, die erste Senslergemeinde. Spätestens in Giffers ist man ganz im Sensebezirk.

Genau da haben sich Mitte Woche über 1000 Bürgerinnen zum Informationsabend getroffen. Die Guglera soll nämlich in ein Asylzentrum umgewandelt werden. Bei uns ist die "Gouglera" vor allem noch in Frauenerinnerungen präsent. Meine Jahrgänge und älter haben die Oberstufe bei den Schwestern in diesem Institut absolviert und diverse Hörner an- und abgestossen. Die Schule war als Internat organisiert und die Jaunerinnen kamen das erste Mal weg von zu Hause. Manch Eine kehrte nicht mehr ins Tal zurück, sondern fand eine Lehrstelle und weitere Lebenspläne im Sensebezirk oder anderswo in der Schweiz. 

Für die Giffersner sieht die Situation heute ganz anders aus. Sie wollen in Zukunft keine Asylbewerber in der Guglera weil diese nicht christlich sind und sich in der Regel auch nicht so verhalten, so jedenfalls der Grundtenor. 

Die Jauner SVP Jungmannschaft hat postwendend am Waterslide einen tpf-Bus gezimmert, angeschrieben mit "Spezialkurs" und "Giffers", die Fahrgäste fielen dann erfolgreich ins Wasser...!



Den Giffersner wird es wahrscheinlich nicht anders ergehen. Der Kauf der Liegenschaft ist vollzogen und der Bund braucht  Asylzentren damit das Asylwesen, wie von der SVP gefordert, besser funktioniert. Dass sich Politiker im Wahljahr für ihre Positionen stark machen und die Gunst der Stunde zu ihrem Nutzen herausschlagen ist durchschaubar. Dies die Kommentare in der hiesigen Presse.

Bevor die Giffersner sich zu dem Informationsabend trafen, diskutierte ich das Vorhaben mit einem Jauner. Er war der Meinung, dass die Asylbewerber auf dem angegliederten Landwirtschaftsbetrieb der Guglera sowie in den Gemeinden genug gemeinnützige Arbeit leisten können.  Und meiner Meinung nach trennt sich Spreu vom Weizen automatisch wenn es ums arbeiten geht, auch oder gerade bei Asylbewerber. Profiteure wollen sich die Hände nicht freiwillig schmutzig machen und traumatisierte Asylbewerber können beim Handanlegen das Erlebte "verwärche". Wieso der Bund eine solche Binsenwahrheit nicht schon lange umsetzt, liegt wohl an vielen studierten Bundesbeamten... (nodum in scirpo quaerere oder Stengelknoten auch an der Binse suchen)

Was mich aufhorchen lässt, ist die Respektlosigkeit von negativ-emotional geladene Reden. Nichts gegen Emotionen, ich bin die Letze die ihre eigenen im Griff hat. Aber welcher Giffersner lebt in einem Kriegsgebiet und verlässt Hab und Gut unter Kugelhagel? Musste je ein Schweizer aus seinen Land fliehen weil er keinen Ausweh sah? Wer sind wir um über andere zu richten? 

Statt ein Mahnfeuer wie im Sensebezirk zünde ich lieber in einer unserer gut geschützten Grotten eine Kerze an. Für eine friedlichere Welt, nicht nur bei uns. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Die Blogartikel der aktuellen Jahres werden voraussichtich im November 2021 in Buchform erscheinen.

partner: