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Der Roger Federer des Schwyzerörgeli

Online Artikel der FN vom 21.12.2025

Der Jauner Daniel Thürler ist Musiker und Komponist. Sein Instrument ist das Schwyzerörgeli, und auf diesem pflegt er einen unverkennbaren Stil, der Tradition und Moderne vereint.

 

Martin Zbinden
Publiziert: Heute, 14:30 Uhr

 


Daniel Thürlers Musik ist eine Mischung aus Leidenschaft, Virtuosität und Experimentierfreude, und sie macht ihn mit diesen drei Komponenten zu einem der besten Schwyzerörgelispieler weltweit. Im Interview gibt der 47-Jährige Einblicke in sein Musikerleben sowie seine Inspirationen und erklärt, warum er grossen Musiklabels die kalte Schulter zeigte.

 

Sie spielen nicht nur die volkstümliche Basis des Schwyzerörgeli, sondern auch die ganze Palette der internationalen Volksmusikrichtungen bis hin zu Heavy Metal. Die traditionellen Töne wären doch etwas zu monoton und entsprechen nicht Ihrem Charakter, oder?

Meine musikalische Reise war bisher immer spannend und vielseitig. Immer wieder Neues zu entdecken, ist mein musikalisches Lebenselixier. Ich reiste um die Welt und liess mich von verschiedenen Einflüssen inspirieren. Dadurch habe ich gelernt, viele verschiedene Musikrichtungen zu spielen. Schon als junger Musiker zog es mich in den Hard Rock und auch in den Heavy Metal. Auf dem Schwyzerörgeli ist das ein No-Go, aber das kümmerte mich nie. Ich bin meinem Weg treu geblieben und habe stets versucht, mich musikalisch weiterzuentwickeln und auch Melodien zu spielen, die weit weg vom traditionellen Örgeli sind.

Mit dem Song «Tango Esperanza» entstand zum Beispiel ein Mix aus argentinischer Musik und einer schweizerischen Note. Vereint ist die Klangfarbe des Schwyzerörgeli und die Sehnsucht des Tangos. Das passt bei weitem nicht allen, wenn ich musikalisch ausbreche. Crossover auf dem Örgeli zu spielen, das liegt mir. Gleichzeitig passe ich mich auch an. Wenn ich merke, dass das Publikum es volkstümlich mag, dann spiele ich die traditionellen Stücke. Ich merke schnell, ob meine Songs gut ankommen oder eben nicht.

 

"Schon als junger Musiker zog es mich in den Hard Rock. Auf dem Schwyzerörgeli ist das ein No-Go, aber das kümmerte mich nie." 
Daniel Thürler

 

Trotz weltweiten Erfolgs blieben Sie stets bescheiden und volksnah. Dazu haben Sie freiwillig auf das grosse Geld verzichtet. Was hat Sie dazu gebracht?

Grosse Auftritte auf grossen Bühnen sind interessant, ja, das stimmt. Aber es sind die kleinen Auftritte, die mich inspirieren. Auf kleinen Bühnen oder als Strassenmusiker, wie letzten Sommer am Stadtfest in Murten, entstehen spontane Melodien, die zur Stimmung passen, die zu den Menschen passen, die um mich herum sind. Ich habe mich bewusst für die künstlerische Autonomie entschieden. 95 Prozent der Melodien, die ich spiele, habe ich selber aufgeschrieben. Daher lehnte ich Angebote von grossen Labels ab, um meine Unabhängigkeit zu wahren.

Ich hatte die Möglichkeit, ein paar Mal viel Geld zu verdienen. Aber dann wäre ich nur noch eine Marionette und müsste das spielen, was mir vorgeschrieben wird. Da hätte ich einen PR-Apparat um dich herum und möglicherweise auch einen Manager. Ob ich meine Jauner-DNA an ein amerikanisches Riesenlabel verkaufe? Oh nein, das geht gar nicht.

 

"Ich verkaufe meine Seele nie an Universal Music, da verliere ich meine künstlerische Freiheit." 
Daniel Thürler

 

Sie haben tatsächlich einer Zusammenarbeit mit Universal Music Group abgesagt?

Ich verkaufe meine Seele nie an Universal Music, da verliere ich meine künstlerische Freiheit. Das ist mir sehr wichtig. Geld ist wichtig, das stimmt, aber die Unabhängigkeit ist unbezahlbar. Meine Musik soll so gut sein, dass sie von selbst in Amerika oder wo auch immer ankommt.

 

Was den Musikstilmix anbelangt, da haben Sie Pionierarbeit geleistet. Sie sind der kompletteste Schwyzerörgelispieler der Welt, also der Roger Federer des Schwyzerörgerli.

Das freut mich, das so zu hören. Tatsache ist, dass ich Musikstile vereinen kann. Ich durfte zudem auf internationalen Musikbühnen in Frankreich, China oder Marokko auftreten und habe auch Stücke im Sun Studio in Memphis aufgenommen.

 

Nächstes Jahr feiern Sie Ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum, begleitet von einem neuen Album.

Viel zum neuen Album möchte ich hier nicht verraten. Traditionelle Musik habe ich immer gern gespielt, das ist für mich wichtig, das sind meine Wurzeln. Aber eine permanente Weiterentwicklung auf dem Schwyzerörgeli muss sein. Nur so viel vorab. Ich freue ich mich riesig aufs neue Album. Wichtig ist mir, dass ich mit meiner Musik weiterkomme.

 

Zur Person:

Daniel Thürler wuchs in Im Fang bei Jaun auf und stand bereits im Alter von acht Jahren gemeinsam mit seinem Vater ein erstes Mal auf der Bühne. Als 10-Jähriger erlernte er das Schwyzerörgeli und erhielt unter anderem Unterricht bei Hans Oesch. Thürler gründete verschiedene Formationen, so das Schyzerörgeli-Duo «Horizont» 1997 mit Erwin Kolly und 1999 das Quartett «SQ Witusenand», mit dem er die erste CD aufnahm und unter anderem eine Konzertreise nach Singapur unternahm. Es folgte die Gründung der Schwyzerörgeli-Formation «SGS Senseland», die Thürler 20 Jahre lang leitete.

Gemeinsam mit Alfred Mosimann und den Gästen Tom Küffer und Marc Gerber entstand 2016 das Album «Verrückt». Thürler gründete auch die Keltisch-Rock-Band Sufizus. Der Jauner Musiker besuchte während seiner Konzertreisen Kenia, Marokko, war in Nordamerika unterwegs und auch am internationalen Folklorefestival in China, zudem trat er mit Alain Delon in Paris auf. 2018 veröffentlichte er sein erstens Soloalbum «Train to Louisiana».

Als Studiomusiker spielte er bei Polo Hofer, Trauffer, Florian Ast sowie bei George und der Stubete Gäng. Thürler komponierte seit seinem zwölften Lebensjahr über 500 Titel.

 

Daniel Thürlers unverkennbarer Stiel auf dem Schwyzerörgeli ist im Interview zu hören.
Quelle: RadioFr.

 

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