Wer Wald will, muss Hoz brauchen

Dieser Slogan stand Jahre lang auf einem Plakat an einem Holzstapel meines Nachbarn im Thurgau. Er betreibt auch heute noch seine Kleinstsägerei, wahrscheinlich verstecken sich die Kinder immer noch zwischen den aufgetürmten Holzlatten. Auch hier hat die Holzverarbeitung eine lange Tradition. Vor der Verarbeitung muss das Holz jedoch geschlagen und transportiert werden, was dieser Tage Im Fang gut hörbar ist. Von der 'Chüblenei' Ritchtung 'Riederschweid' ist nämlich ein Seil gespannt auf dem 'd Chatz' fleissig rauf und runter fährt. Wenn oben das Seil abgespuhlt wird, kommt die Luft in Bewegung, was alle paar Viertelstunden im Tal gut hörbar ist. Jedenfalls wenn man den Herbst mit seinen Farben und Gerüchen in der Natur geniesst.

Für einmal habe ich also meinen Spazierweg auf die Schattenseite verlegt und den anwesenden Mitarbeiter auch gleich in Verlegenheit gebracht, als ich ihn spontan um Auskunft fragte. Er sei erst seit gestern hier im Einsatz, den Sommer hätte er auf der Alp Gros Chaumiaux verbracht. Bis der Chef Zeit hat, schau ich zu wie das Holz abgeseilt, entastet und auf den richtigen Haufen transportiert wird. "Lache" et "tire" lauten die Anweisungen über Funk an den Holzer oben im unwegsamen Gelände, bis der Baumstamm am gewünschten Ort ist. Der knorrige Baum ist etwas unförmig und wird mit der Motorsäge zurecht gestutzt. Wo wir Serviertöchter den Kassenschlüssel an einem Zip befestigen, hängt beim Holzer ein ausziehbares Messband um die richtige Länge zu markieren. All diese Arbeiten werden von Remy Gachet SA von Charmey ausgeführt. Der Patron pilotiert den Pneubagger, der mit einem multifunktionellem Sägewerk ausgestattet ist. Das Fahrzeug koste 180'000 das Sägewerk 120'000 Franken, erzählt er mir nachdem er sein Fahrzeug neben der Strasse abgestellt hat.



Der Gemeindeförster hätte die zu fällenden Bäume im Gemeindewald markiert, die 3'000 Kubikmeter Holz liefern sollen. Der Wald sei jahrelang unangetastet geblieben, so seien entweder grosse, seltsamgewachsene Bäume oder viel Astwerk in der Ernte. Einige grosse Stämme werden für die Grosssägerei Despond in Bulle bereit gestellt, einiges für Gemeinde und Private und die grossen Haufen seien für die Schnitzelheizung in Charmey bestimmt. Unsere eigenen Gemeindegebäude hätten sicherlich Freunde an einer solchen Schnitzelheizung, Holz hätten wir meiner Meinung nach genug zum heizen. Seit dem Sommer ist das KMU (darunter auch ein Jauner Lehrling) mit Unterbrüchen im Gemeindewald beschäftigt. Vor Kurzem wurde mit dem Helikopter die Seilwinde im steilen Gelände versetzt um einen weiteren Sektor zu bearbeiten. Während ein paar Tagen wird das Holz gefallt, danach mit dem Laufwagen, bei uns 'dChatz' genannt, ins Tal befördert. Früher wurden dafür Rutschen aus Baumstämmen gebaut. Heute muss die Arbeit speditiver voran gehen um mit der Konkurrenz mithalten zu können.

Bis Weihnachten sollen die Arbeiten laut Chef fertig sein. Dann werden auch wir gerne in einer gemütlichen, gut geheizten Stube sitzen und vielleicht Holz sein Dank ins Cheminée-Feuer schauen.

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