Kontrollierte Wildbienen

Vor einigen Jahren lass ich in einer Zeitung den Titel "Ohne den Menschen würden die Bienen nicht überleben". Ich fand das die Spitze menschlicher Arroganz, einmal mehr soll der Mensch Herrscher über die Natur sein, das ist schlichtweg nicht möglich! Da ich aber keine Ahnung von Bienen hatte, wollte ich wissen, wie es zu solch Meinungen kam die nach meinem Gutdünken masslos übertrieben sind und begann zu recherchieren.


In Internet-Foren der Imker wird auch heute noch mit harten Bandagen um's Rechthaben gekämpft. Zum Teil in hässigem Ton, was es schwierig macht, objektiv zu bleiben. Einen Kurs wollte ich nicht besuchen, da die Lehrmeinung ja schon in der Zeitung stand. Also beschloss ich ganz einfach, mich selber mit Bienen zu beschäftigen. Das Buch vom Imker Erhard Maria Klein war mir von Anfang an sympatisch und mit Büchern kenne ich mich schliesslich aus. Nach dessen Anleitung baute der Jauner Schulleiter mit seinen Schülern eine Bienenkiste und ich informierte die hiesigen Imker an ihrem Treffen über mein Vorhaben, eine neuartige Betriebsweise zu lancieren. Wie gewohnt, kommt es erstens anders und zweitens als man denkt.

Meine Schwester ist Bieneninspektorin und verhalf mir zu zwei Schwärmen. Einer überlebte gerademal 2 Monate, das andere Volk ist nun seit 2 Jahren fleissig. Sie leben in einem Strohkorb der als Reserve gedacht war. Da ich die Bienen zwar beobachte aber nie behandelt habe, sollten sie eigentlich ende Sommer an Varroa sterben, so die Lehrmeinung. Natürlich habe ich unterdessen mit einigen Imker gesprochen, die viele Verluste hatten, eben wegen dem Parasit. Diese Tatsache lässt sich also nicht wegdiskutieren. Der Strohkorb ist gar nicht für Honig-"Produktion" geeignet . Die Bienenkiste aber sehr wohl, nur hat das letzte Volk den Winter auch nicht überlebt, wohl weil ich die Bienen nicht genügend beherrsche.



Erst gerade kam ich wieder mal mit einer Jungimkerin ins Gespräch. Dass ich die Bienen nicht behandle erstaunt immer wieder. Sie werden aber kontrolliert wie alle anderen Bienenvölker auch und man lässt man mich gewähren. Weil der Bienenkorb nicht sehr gross ist, wird das Volk geradezu zum schwärmen gezwungen, was in der traditionellen Imkerei ein Honigverlust bedeutet und meist verhindert wird. Ich ernte aber gar kein Honig und bin damit eigentlich auch keine richtige Imkerin. Höchstens eine Bienenliebhaberin mit fehlendem Ehrgeiz, die Bienenbehausungen zur Verfügung stellt. Es ist trotzdem interessant zuzusehen wie die Bienen ganz ohne mein zutun Waben bauen, Nachwuchs pflegen und Vorräte anlegen. Wie wichtig die Bestäubung ist, stand ja schon in der Zeitung. Bei Gabriel hat übrigens ein Schwarm anfangs Monat beinahe zwei Wochen unerreichbar auf einen Baum ausgeharrt bevor er verschwand. Ob solche Wildschwärme alleine zurecht kommen, ist nicht erforscht. Bleibt also die Frage, wer wenn beherrscht.

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Kommentare: 3
  • #1

    Erich Liebi (Sonntag, 26 Juni 2016 09:50)

    Du sprichst mir aus tiefstem Herzen, liebe Marlies. Und ich danke dir für dein Lebenszeugnis! Was du bei den Bienen gelernt hast, gilt halt auch für uns Menschen...
    Erich

  • #2

    Leo Buchs (Montag, 27 Juni 2016 15:27)

    Liebe Marlies,
    Es wird wohl schon so sein, dass sich Bienenvölker, die in einem Bienenkorb, also so quasi in der Wildnis leben, anders verhalten, als solche in den eher künstlichen Behausungen in Form von Bienenkästen. Eine Situation, die wir wohl nicht so einfach auf das menschliche Wesen übertragen können, oder vielleicht doch?

  • #3

    Marlies (Montag, 27 Juni 2016 20:30)

    Mich interessiert vorallem ob "einsame" Völker mit Parasiten besser umgehen können. In dem Fall auf den Mensch zu schliessen, wäre wohl etwas hypothetisch. Die Natur zu beobachten ist alleweil interessant und lehrreich, in allen Fällen.

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