740 Jahre Cottier

Letzte Woche war in den Schlagzeilen zu lesen, dass Kardinal Georges Cottier gestorben sei. Er sei 1922 in Carouge (GE), geboren, wurde 1945 Dominikaner, war Mitarbeiter von Joseph Ratzinger und Papst Johannes Paul II hat ihn weiter befördert. Soviel habe ich über Wikipedia erfahren. Ob er aber Jauner Wurzeln hat, wurde natürlich nicht erwähnt. Einige private Kontakte auswärtiger Jauner konnten auch nicht weiterhelfen und so habe ich einfach Aldo im Gemeindebüro angerufen. Er verwies auf die Genealogie Bücher von Athanas Thürler, die ich gerne einsehen könne. Da ich sowieso ins Dorf musste, habe ich der Gemeindeverwaltung also einen Besuch abgestattet und den einen Satz, der über den Dominikaner Georges Cottier geschrieben war, auch nach einer knappen Stunde gefunden. Aber noch einiges mehr.

Erst nach einer halben Stunde orientierungslosem durchblättern der zwei Bände habe ich den Grundaufbau der zwei Bücher begriffen, dabei aber keinen Georges Cottier gefunden. Für mich sind auch eher die neuzeitlichen Cottiers interessant, zu denen auch sportliche Zeitungsausschnitte abgedruckt sind. Nicht wenige Seiten von Cottier Nachkommen die ich kenne sind jedoch leer. Die Stammbäume treiben also mindestens auf dem Papier keine Knospen. Endlich nehme ich mir die ersten Seiten des einen Buches vor und erfahre, dass der Familienname Cottier erstmals 1276 in den Urkunden erwähnt wurden. Sie stammen von Rougemont (deutsch: Retschmund) und haben sich wahrscheinlich um 1600 in Jaun niedergelassen. Der Name hat sich aus dem Beinamen für die Coctier (Haselnüsssträucher) ergeben, die anscheinend typisch für die Wohngegend der Cottier waren. Später wurde der Familienname im Sensebezirk mit Nüssli und in der Stadt Freiburg mit Nussbaumer übersetzt.



1976 wurde in Rougemont ein grosses 500-Jahr-Cottier-Fest gefeiert, an dem der Verfasser der Genealogie teilgenommen hat. Da wurden es allerlei Cottier-Souvenirs feilgeboten und auch der Jauner Syndic Beat Schuwey habe ein vielbeachtetes Präsent aus der Nachbargemeinde mitgebracht. Ein paar Seiten weiter stosse ich fast zufällig auf den Satz, dass sich Cottiers vor der Reformation verbreitet haben und zum Beispiel der Dominikaner Pater Georges Cottier Wadtländer sei. Also doch, das könnte "mein gesuchter Kardinal" sein und der Vermeintliche hat dieselben Wurzeln wie die Jauner Cottiers. Nur sind die Sprossen des Dominikaners spiritueller Natur, während die Jauner eher weltlich bleiben. Es wäre jedoch schön, wenn die Wurzeln weiter gepflegt und die Stammbäume ergänzt würden. Die Herkunft zu schätzen ist meiner Meinung nach wichtiger als es den Anschein macht.

Einige wenige Artikel von und über Athanas Thürler:

Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Leo Buchs (Dienstag, 05 April 2016 09:40)

    Sehr aufschlussreich.
    Hervorragend und "unheimlich" schnell recherchiert und kommentiert.
    Die Frage bleibt offen, wer die Genealogien weiter komplettieren und weiterführen soll und kann.

  • #2

    Marlies (Dienstag, 05 April 2016 16:49)

    Um die Genealogien weiterzuführen, kann man den kiloschweren Büchern ja keine Seiten einfügen. Eine Digitalisierung ist eine immense Arbeit und für eine Einzelperson nicht zu realisieren. Mit ein paar interessierten Personen weiterzudiskutieren fände ich aber sinnvoll. Vorschläge her!

  • #3

    Cottier Marius (Mittwoch, 06 April 2016 17:58)

    BRAVO Marlies! Effizient.
    Gute Frage von Leo Buchs. Vielleicht Josef Buchs? Was sollte er genau tun?

  • #4

    Marlies (Donnerstag, 07 April 2016 08:05)

    Der Gemeindeschreiber hat ebenfalls Josef Buchs erwähnt, der die Arbeit hätte weiterführen sollen. Den Grund weshalb dies nicht geschehen ist, kenne ich nicht. Es gibt zwar leere Seiten in den Bändern, aber ob es genügend sind für die aktuellen Angaben sind, weiss ich auch nicht. Es ist ja erst eine Generation nachzuführen. Die Familien geben sicherlich gerne Auskunft. Ideal wäre ein Schreiber pro Familie, der die Angaben zusammenträgt.

partner: