Innovative Kabanna

Schon seit ein paar Jahren steht Im Fang richtung Gschwend ein "Skilifthüttli". Der Neubau sieht aus wie eine zu klein geratene Seilbahnstation ohne Seilbahn, aber immerhin gibt es bei uns Sklilifte, deshalb im 'Remy-Jargon' "Skilifthüttli". Nur die Verkehrsampel davor ist etwas irritierend. Seit diesem Sommer sind zwei neue, gelbe Gartenstühle dazugekommen und letzte Woche lag die Einladung von Martin Wagner zu einem Willkommensapero im Briefkasten. Das wollte ich mir als neugieriger Mensch natürlich nicht entgehen lassen.


Etwas nach 17 Uhr sind wir nicht die ersten Gäste und werden von Martin und seiner Mutter, die hier in den Ferien weilt, begrüsst. Mitgekommen ist der weibliche Teil der Familie, wir werden mit Getränken versorgt und sollen uns am Aperotisch bedienen. Der Vorplatz füllt sich mit Nachbarn die sich kennen und kennenlernen. Der Hausherr begrüsst in einer kleinen Rede alle Anwesenden und hält fest, es sei ihm wichtig, dass seine Nachbarn wissen wer er sei und was er hier mache. Die "Kabanna" wie er sein Häuschen nennt, sei für Wochenendaufenthalte gedacht gewesen. Da im Leben aber nicht immer alles nach Plan läuft, konnte er nach dem Tod seiner Freundin in Frühpension gehen und lebt seit dem Sommer hier. Mit seinem Sohn betreut er in Thailand ein gemein-sames Projekt, was seine zeitweilige Abwesenheit erkläre. Er wolle uns nicht seine ganze Hausarchitektur erklären, wir sollen einfach eintreten und die Kabanna selber erkunden.


Gesagt, getan. Hier muss noch gesagt werden, dass das Haus ein Würfel von 4m70 ist mit zum Teil schrägen Wänden ist. Was von aussen wie ein windschiefer Schopf aussieht, entpuppt sich im Innern als Bijoux. Die Holzkonstruktion ist bis ins kleinste Detail praktisch durchdacht und sehr gemütlich eingerichtet. Die schräge Rückwand am Wohntisch dient gleichzeitig als Rückenlehne, das Büchergestell als Stütze für die obere Etage. Geheizt wir nur mit dem Holzherd, das reicht auch für das Warmwasser. Der Blick vom Bett aus geht in den Apfelbaum, man wähnt sich in einem Baumhaus und die platzsparende Treppe ist in der Schräge seitlich am Haus untergebracht. Die durchdachte Gestaltung lässt auf einen Fachmann schliessen, der Patron ist tatsächlich Architekt. Für die geniale wie innovative Inneneinrichtung zieht er konkrete Lebenssituationen herbei und aus ihm spricht ein profunder Kenner, nicht nur im materiellen Bereich.


Alte und junge Fanger erforschen die zwei Geschosse und schwärmen von der heimeligen Atmosphäre, kombiniert mit modernem Ambiente, dass man dem Häusschen von Aussen nie zutrauen würde. Der offene Hausherr beantwortet mal auf französisch, mal in zögerlichem Deutsch verschiedene Fragen und geht auf seine neue Nachbarn ein. Seinerseits erzählt er, dass er die Landschaft sehr schätze und ebenso die Bodenhaftigkeit der Bewohner. Emil Buchs habe ihm seine Heimat gezeigt und er hätte sich hier sofort wohl gefühlt. Es hätte eine Weile gedauert, bis er ein geeignetes Grundstück gefunden hätte. Dieses passe nun perfekt zu seinen Bedürfnissen.

Wer hätte es gedacht, auch eine zu klein geratene Seilbahnstation kann ein geistreiches Innenleben beherbergen. Herzlich willkommen Im Fang!


                                                                                                                                Fotos: Florence Remy

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Kommentare: 2
  • #1

    Silvia (Samstag, 24 September 2016 19:34)

    Muss schon sagen Du hast alles dazu was es zum schreiben braucht....chapeau
    Sehr informativ und spannend geschrieben.
    Bravo Florence

  • #2

    Marlies (Samstag, 24 September 2016 22:24)

    Man/Frauen danken für die Blumen! Bei interessanten Themen und Sujets ist es eine Freude darüber zu berichten. Gruss in die Ritzlialp.

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